Die Strasse von Hormus bleibt blockiert.

Ausgabe Mittwoch, 11. März 2026

Der seit über einer Woche eskalierende Krieg zwischen der Allianz USA/Israel und dem Iran hat den Ölpreis in der Nacht auf Montag auf den höchsten Stand seit Juni 2022 getrieben. Brent (ICE) sprang zeitweise auf 119.50 $ pro Fass – rund 29% mehr als am Freitag. Seit Kriegsbeginn hat sich der Ölpreis um über 50% erhöht. Auslöser der Panik waren Sorgen um Lieferengpässe durch die blockierte Strasse von Hormus sowie Meldungen, dass Produzenten in der Region – etwa im Irak – ihre Förderung massiv drosseln müssen.

Zusätzlich wurde spekuliert, dass eine grosse Short-Position am Optionsmarkt eingedeckt werden musste und den Preissprung verstärkte. Für eine weitere Verschärfung sorgte die Ernennung von Mojtaba Chamenei zum Nachfolger seines Vaters, ein klares Signal, dass in Teheran kein rascher Kurswechsel zu erwarten ist. Hinter den Kulissen berieten die G7-Finanzminister mit der Internationalen Energieagentur (IEA) über eine mögliche Freigabe strategischer Ölreserven. Eine Entscheidung wurde für Dienstag erwartet. Letztmals koordinierte die IEA eine solche 2022 im Umfang von 180 Mio. Fass anlässlich der russischen Invasion in der Ukraine. Dieses Mal könnte es Freigaben von 300 bis 500 Mio. Fass geben. Die Mitglieder der IEA halten für den Notfall mehr als 1,2 Mrd. Fass in strategischen Reserven, die Ölindustrie hält weitere 600 Mio. Fass unter staatlichen Auflagen.

Kurzfristig dürften die Ölpreise nochmals zurückkommen. Am Montagabend gaben sie deutlich nach. Brent fiel von fast 120 $ wieder unter 100 $, nachdem ein Telefonat zwischen Trump und Putin bekannt wurde, in dem über temporäre Lockerungen von Sanktionen gesprochen wurde. Bereits vergangene Woche hatte Washington Indien erlaubt, seinen Energiebedarf über dreissig Tage wieder mit sanktioniertem russischem Öl zu decken, weitere Ausnahmen dürften folgen. So unberechenbar Trumps Vorgehen oft ist, so klar ist, dass ein stark steigender Ölpreis und fallende Finanzmärkte ihn unter Druck setzen. Er darf vor den Zwischenwahlen keinen weiteren politischen Schaden riskieren. Am späten Montagabend erklärte er die Kriegshandlungen für nahezu beendet. Diese verbale Intervention drückte Brent am Dienstagmittag auf rund 91 $.

Ein rasches Ende des Konflikts und die Öffnung der Strasse von Hormus würden einen deutlichen Preisrückgang auslösen. Doch jeder weitere Tag der Blockade verschärft die globalen Auswirkungen: Neben Öl und Gas sind Metalle, Getreide, Düngemittel, seltene Erden und viele weitere Güter betroffen. Die in der Region festsitzenden Schiffe fehlen weltweit, um Lieferketten und Rohstoffströme aufrechtzuerhalten.