Ernteerwartungen an den Getreidemärkten werden revidiert.
Ausgabe Mittwoch, 26. August 2026
Nachdem die Ölpreise Ende vergangener Woche Höchstwerte nahe 95 $/Fass erreicht hatten, korrigierten sie zum Wochenauftakt deutlich. Brent fiel unter 90 $/Fass und notierte am Dienstag zeitweise bei 89.25 $, WTI bei 82.40 $/Fass. Händler reagierten gelassen auf die neuen US-Sanktionspläne gegen den Iran, da Washington zwar über sechzig Einrichtungen und Schiffe sanktionieren will, jedoch weiterhin keine konkreten Schritte gegen grosse Abnehmer wie China nennt.
Bei Ölprodukten bleibt die Lage angespannt. Raffinerien erzielen rekordhohe Margen, vermögen aber die fehlenden Bestände kurzfristig nicht wieder aufzubauen. Logistische Engpässe auf dem Rhein hatten die Frachtraten zeitweise verfünffacht, mit den Niederschlägen entspannte sich die Situation nur leicht. Gasoil fiel bis Dienstagmittag auf 1226 $/Tonne, rund 100 $ weniger als am Freitag.
Das Wetterphänomen El Niño treibt zahlreiche Rohstoffnotierungen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Kaffee. Die Arabica-Sorte erreichte ein Sechswochenhoch von 3,4565 $/lb, gestützt durch extrem niedrige ICE-Bestände, Wetter und Erdbeben in Kolumbien. Rohzucker stabilisierte sich nach einer 27%-Rally bei rund 17,5 Cents/lb, ausgelöst durch Indiens Entscheidung, zollfreie Importe zuzulassen.
Die internationalen Getreidemärkte müssen ihre Ernteerwartungen neu justieren. US-Mais stieg auf ein Dreijahreshoch nahe 5 $/Bushel, nachdem die Pro Farmer Crop Tour eine deutlich schwächere US-Ernte bestätigte. Die Prognose von 15,344 Mrd. Bushel liegt 9,9 % unter dem Vorjahr und wäre die kleinste Ernte seit 2020. Händler zeigten sich überrascht von den niedrigen Erträgen. US-Weizen erreichte ein Zweijahreshoch um 7 $/Bushel, getrieben von massiven Exportstörungen im Schwarzen Meer. Das USDA senkte seine Exportprognosen für Russland und die Ukraine deutlich. Euronext-Weizen blieb mit Preisen über 235 €/Tonne fest, wenn auch unter dem Julihoch von 250 €/Tonne. Händler spekulieren auf Nachfrageverschiebungen hin zu EU-Weizen, da Angriffe im Schwarzen Meer die ukrainischen und russischen Exporte stark beeinträchtigen. Sojabohnen standen stärker unter Druck sinkender Ölpreise, wurden jedoch durch robuste Exportnachfrage nach China gestützt. Die Notierungen bewegen sich nahe dem Zweijahreshoch um 12.50 $/Bushel.
Sollten die USA es wagen, China wegen dem Iran sanktionieren zu wollen, wird sich Chinas Premier Xi überlegen, ob er das Treffen mit Trump Ende September wahrnehmen soll. Ob China im versprochenen Umfang weiterhin zu seinen US-Sojabohnen-Einkäufen stehen würde, wird man sehen müssen.
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