Öl ist bei knappen Lagerbeständen anfällig. Gold fällt wieder.
Ausgabe Mittwoch, 02. September 2026
Brent handelt am Dienstagmittag über 92 $/Fass. Die ersten direkten Gefechte zwischen den USA und dem Iran seit rund einem Monat haben die Sorgen über Lieferunterbrechungen verstärkt. Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus bleibt deutlich unter dem Normalniveau. Gleichzeitig beginnt in den USA die Hurrikansaison. Damit trifft ein weiterer Angebotsrisikofaktor auf einen angespannten Markt. Bei knappen Lagerbeständen steigt die Anfälligkeit für zusätzliche Produktions- oder Lieferausfälle. Entsprechend preist sich bereits eine leichte Hurrikanrisikoprämie ein: Der Novemberkontrakt auf WTI legt derzeit rund 2% zu, während Brent um 1,5% steigt.
Gold handelt am Dienstagmittag knapp unter 4400 $/Feinunze. Mitte vergangener Woche hatte es mit 4718 $ noch ein Zweimonatshoch erreicht, bevor am Freitag ein Rücksetzer von mehr als 3% folgte. Die Ansprache von Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Treffen fiel überraschend hawkish aus. Gleichzeitig stieg die Rendite zehnjähriger US-Treasuries auf 4,78% und damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2025. Nun wird sich zeigen, ob die Bewegung einen nachhaltigen Wandel bei den Zinserwartungen markiert. Entscheidend dürfte die weitere Entwicklung der langfristigen US-Renditen sein. Sollte der vom US-Treasury angekündigte verstärkte Rückkauf langlaufender US-Staatsanleihen den Aufwärtsdruck auf die langfristigen Renditen begrenzen, könnte dies die Belastung für Gold etwas reduzieren. Kurzfristig bleiben US-Renditen und Zinserwartungen die wichtigsten Einflussfaktoren für Gold.
Bei den Agrarrohstoffen haben zuletzt mehrere Produkte neue Mehrjahreshochs erreicht. Als Treiber wirken geopolitische Entwicklungen sowie zunehmend schwächere Erntequalitäten. Der Dezemberkontrakt für US-Weizen handelt derzeit bei 7.81 $/Scheffel, US-Mais bei rund 5.37 $/Scheffel und Sojabohnen im Novemberkontrakt bei 12.98 $/Scheffel. Trotz der jüngsten Korrektur bleiben die Märkte damit auf hohem Niveau. Nachdem die Ankündigung der Türkei über Gespräche zu einer möglichen Wiederaufnahme der Getreidetransporte über das Schwarze Meer am Montag zunächst für eine Korrektur gesorgt hatte, ziehen die Preise heute wieder an. Gemäss Berichten lehnt Russland ein Moratorium für Angriffe auf Schiffe ab. Insbesondere der Dezember-Mahlweizenkontrakt in Paris zeigt sich deutlich fester und steigt um 1,8% auf 249.75 €/Tonne. Sollte sich die Unsicherheit über die Getreidetransporte über das Schwarze Meer weiter verschärfen, dürfte insbesondere Weizen von einer anhaltenden geopolitischen Risikoprämie profitieren.
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