Risikoprämien am Ölmarkt steigen. Leere Lager in Europa.
Ausgabe Mittwoch, 19. August 2026
Zum Wochenauftakt sind die Ölpreise weiter stark gestiegen. Die USA schlossen eine Verlängerung des ausgelaufenen Waffenstillstandsabkommens aus, während der Iran eine offensivere Militärstrategie ankündigte. Die Verschärfung der geopolitischen Lage im Nahen Osten liess Brent-Öl erstmals im August wieder nachhaltig über 90 $/Fass steigen. Auch am Dienstagvormittag setzte sich der Anstieg fort. Öl verteuerte sich damit bereits den dritten Handelstag in Folge und kostete zeitweise 91.85 $/Fass, den höchsten Stand seit Ende Juli. Noch am 5. August hatte derselbe Kontrakt lediglich 78.11 $/Fass gekostet.
Auch US-Rohöl der Sorte WTI stieg zeitweise auf über 85 $/Fass, nachdem der Preis Anfang August noch bei rund 67.50 $ gelegen hatte. Der europäische Heizöl-/Dieselkontrakt (Gasoil-ICE) notierte am Dienstag zeitweise über 1300 $/Tonne und damit mehr als 20% höher als zu Monatsbeginn.
US-Präsident Trump zeigt sich zunehmend frustriert über die Lage an der Strasse von Hormus. Während Iran und Oman weiterhin über die Kontrolle der strategisch wichtigen Meerenge verhandeln, drohte Trump dem Oman am Montag mit Bombardements, sollte sich das Land nicht an die Interessen der USA halten. Gleichzeitig setzt er offenbar weiterhin auf wirtschaftliche Sanktionen gegen den Iran.
Viele Ölhändler zweifeln deshalb zunehmend an einer raschen Lösung. Die Risikoaufschläge am Ölmarkt sind wieder deutlich gestiegen, während die Sorgen über anhaltende Unterbrechungen der Energieversorgung zunehmen.
In Europa stehen die Vorbereitungen auf die kommende Heizperiode unter schwierigen Vorzeichen. Die europäischen Gasspeicher sind nur knapp zur Hälfte gefüllt. Gleichzeitig erschweren der Ukrainekrieg und die faktisch geschlossene Strasse von Hormus zusätzliche Lieferungen. Auch die Bestände an Heizöl und Diesel sind besorgniserregend. Die Lagerbestände für Gasöl und Diesel in den ARA-Seehäfen Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen liegen rund 24% unter dem Fünfjahresschnitt, die Kerosinbestände sogar 39% darunter. Die begrenzten Raffineriekapazitäten können die Verknappung nur langsam ausgleichen. Die Raffineriemarge verdeutlicht die angespannte Situation. Der Aufschlag von europäischem Diesel gegenüber Brent ist seit Jahresbeginn von rund 25 $/Fass auf mehr als 70 $ gestiegen.
Zusätzliche Probleme verursachen die rekordtiefen Wasserstände in Rhein, Main und Donau. In Deutschland wurde deshalb das Wochenendfahrverbot für Lastwagen aufgehoben, um Transporte auf die Strasse zu verlagern. Ein Ende der angespannten Lage ist derzeit nicht in Sicht.
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