Geopolitik sorgt erneut für starke Preisschwankungen.

An den Rohstoffmärkten halten die Turbulenzen mit teils massiven Preisschwankungen unvermindert an. Die Veränderungen auf Wochenbasis verschleiern das tatsächliche Ausmass der Kursausschläge. Besonders ausgeprägt zeigt sich die Volatilität am Ölmarkt, der stark vom Wankelmut in Washington beeinflusst wird.

Im Konflikt mit dem Iran führte der Bruch der vereinbarten Waffenstillstandsabsicht zu erneuten Angriffen und Vergeltungsschlägen. Nachdem Trump erklärt hatte, die Verhandlungen mit Teheran abzubrechen, schossen die Rohölpreise innert weniger Tage markant in die Höhe. Die Nordseesorte Brent stieg an der ICE von gut 86 $/Fass auf zeitweise 102 $. Bereits zu Beginn dieser Woche fiel der Preis jedoch wieder auf 87.40 $ zurück, nachdem Trump überraschend neue Gespräche erwähnte. Im frühen Dienstagshandel näherte sich Brent sogar wieder der Marke von 85 $/Fass.

Ähnlich ausgeprägt ist die Volatilität bei den Ölprodukten Heizöl, Diesel, Kerosin und Benzin. Der Frontmonat für Heizöl beziehungsweise Diesel an der ICE erreichte zwischenzeitlich knapp 1300 $/Tonne, nachdem Ende Juni noch rund 850 $ bezahlt wurden. Für Schweizer Konsumenten verschärft sich die Situation zusätzlich durch die anhaltende Trockenheit, welche die Pegelstände des Rheins sinken und die Frachtraten stark ansteigen lässt. Die Hoffnung, dass die jüngsten Vermittlungsbemühungen Omans zu einem erneuten Waffenstillstand führen, erscheint verfrüht. Zusätzliche Risiken gehen von den Angriffen der jemenitischen Huthi-Rebellen auf die Schifffahrtsroute im Roten Meer aus. Daher erscheint ein Brentpreis von 85 $/ Fass derzeit keineswegs hoch.

Auch an den Getreidemärkten sorgen die anhaltenden Kampfhandlungen zwischen Russland und der Ukraine für erhebliche Verwerfungen. Gegenseitige Angriffe auf Hafenanlagen im Asowschen Meer und im Schwarzen Meer haben den Frachtverkehr weitgehend zum Erliegen gebracht und die Weizenpreise auf den höchsten Stand seit zwei Jahren getrieben. Am Pariser Terminmarkt Matif stieg der Preis für europäischen Mahlweizen innert weniger Tage auf 248 €/Tonne.

Kurz vor Wochenschluss lösten Gerüchte über eine mögliche Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine zur Sicherung der Exportwege einen deutlichen Preisrückgang auf 226 € aus. Zwar wurden entsprechende Berichte bislang nicht bestätigt, der Besuch des ukrainischen Präsidenten Selenskyj in Washington wird jedoch als Hinweis auf neue diplomatische Bemühungen gewertet. Damit bleiben geopolitische Entwicklungen der entscheidende Einflussfaktor.